Auftritte vor der Presse sind eine besondere Herausforderung. Schließlich sind die Journalisten nicht die eigentlichen Adressaten – diese sitzen vorm Fernseher, am Radio, hinter Zeitungen, vor Blogs, oder haben sich endgültig für ein Leben als Twitter-Follow entschieden. Daran sollte man denken, spricht man vor der Presse. Der Herr in unserem Beispiel nimmt das Ganze etwas zu sehr auf die leichte Schulter:
Wer Presse-Konferenzen bestreitet, muss vor allem eins bedenken: Emotionen dosiert einsetzen und: sich nicht gehen lassen. Und wenn man doch emotional sein will, dann provokant, gerne auch unsachlich, in jedem Fall aber bildhaft. Wer eine hübsche Metapher in seine PK-Rede einfließen lässt, der wird zitiert. Wer den politischen Gegner als „Haubentaucher“ oder
„Soufflé“ bezeichnet oder ihm mitteilt, er könne „bereits die Koffer packen“, schafft es unter Umständen bis in die „Tagesschau“. Was man allerdings vermeiden sollte, ist das frühzeitige Verteilen von Pressemitteilungen, Statements oder gar Reden-Manuskripte. Dann ist’s Essig mit der Rede. Der Fraktionschef einer bedeutenden Partei ließ neulich auf einem Parteitag erstmals seine Rede vorab unter der Presse verteilen. Hinterher war er erzürnt und empört, weil in die ganzen Presseleute (alle in den ersten Reihen sitzend) nur im Manuskript blätterten und ihm keiner mehr zuhörte. Vor allem die Rhetorik-Virtuosen, die ihren Auftritt freihändig um viele Anekdoten, Zitate, Statistiken bereichern leiden unterm Dauerblättern und Nichtzuhören.
Schlagwörter: Finanzminister, Japan, Pressekonferenz, Rede
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