Archiv für die Kategorie 'Berühmte Reden'

Feb
02

Mit Zahlen ist das so eine Sache. Zahlen in einer Rede stehen zwar für Kompetenz bzw. für Kompetenzkompetenz. Das Problem: Niemand hört gerne Zahlen. Außer vielleicht Menschen, die mit Excel-Dateien ins Bett gehen. Alle anderen tun sich schwer mit der Zahlenhuberei. Deshalb werden Zahlen oft und gerne bildlich aufgelöst, wie in diesem unvergessenen Klassiker:

Eine schöne Idee. Auf jeden Fall schöner als kalt verlesene Zahlenkolonnen. Schöner als die Zahlenmassaker einer deutschen Hauptversammlungsrede. Was Zahlen für Redner so attraktiv macht: sie klingen sachlich, klar, unumstößlich. Mit Zahlen lässt sich immer perfekt argumentieren. Wenn die Zahlen gut sind. Wenn es nicht so gut ausschaut, dann

Weiterlesen: Lektion 8: Die Zahlen

Dez
10

Schlimm ist, wenn gar nichts hängen bleibt. Sie reden und reden, mühen sich ab, mit Statistiken, mit Fakten, mit Querverweisen – doch kaum ausgesprochen, ist alles wieder vergessen. Das über Wochen ausgetüftelte Rede-Konzept verfängt nicht in den Ohren, jeder Wachkomapatient scheint agiler als Ihr Publikum. Was Sie brauchen, ist etwas Knackiges, etwas Zitierfähiges. So wie dieser Herr:

Wumms! Und mit einem Schlag ist Ihre trübe Rede in aller Munde. Da halten die Kameras drauf, ihr Spruch wird millionenfach im Internet geklickt, im Fernsehen gezeigt, in jeder Zeitung veröffentlicht (Chronistenpflicht!!). Kein Wunder, dass vor allem in der Politik permanent nach knackigen, medientauglichen Zitaten gefahndet wird. Bemühen Sie sich daher,

Weiterlesen: Lektion 7: Das Zitat

Okt
12

Es gibt welche, die nehmen einfach ein Manuskript. Stellen sich hinter ein Pult und lesen Wort für Wort ab. Andere haben ein Microport an die Backen geklebt und gucken auf den Teleprompter. Wieder andere lassen sich den Text per Beamer an die gegenüberliegende Wand werfen. Brenzlig wird’s, wenn’s nicht richtig funktioniert:

Keiner will eine Rede auswendig lernen. Außer Schauspielern, die bei Preisverleihungen wie „Beste männliche Kurzhaarfrisur Non-Fiction“ völlig „überrascht“, „überwältigt“ und mit feuchten Augen eine tagelang vorbereitete Rede in den Saal ventilieren: „…meinen Eltern, dem ganzen Team…“. Generell sollte man das Ganze allerdings nicht ohne Manuskript angehen,

Weiterlesen: Lektion 6: Der Text

Sep
22

Auftritte vor der Presse sind eine besondere Herausforderung. Schließlich sind die Journalisten nicht die eigentlichen Adressaten – diese sitzen vorm Fernseher, am Radio, hinter Zeitungen, vor Blogs, oder haben sich endgültig für ein Leben als Twitter-Follow entschieden. Daran sollte man denken, spricht man vor der Presse. Der Herr in unserem Beispiel nimmt das Ganze etwas zu sehr auf die leichte Schulter:

Wer Presse-Konferenzen bestreitet, muss vor allem eins bedenken: Emotionen dosiert einsetzen und: sich nicht gehen lassen. Und wenn man doch emotional sein will, dann provokant, gerne auch unsachlich, in jedem Fall aber bildhaft. Wer eine hübsche Metapher in seine PK-Rede einfließen lässt, der wird zitiert. Wer den politischen Gegner als „Haubentaucher“ oder

Weiterlesen: Lektion 4: Die Pressekonferenz

Jul
07

Viele Experten halten den Rede-Einstieg für das wichtigste der ganzen Rede. Hier werde „die Schlacht geschlagen“. Hier entscheide sich, ob der Zuhörer dabei bleibt oder sich gedanklich verabschiedet. Dieser Herr hat eine besondere Einstiegs-Variante gewählt:

Der sympathische CEO verweigert die Standardphrase. Er setzt auf Rhythmik und Bewegung. Behände tänzelt er über die Bühne, umkreist das Pult als sei es ein kultisches Ritual und untermalt seinen Auftritt mit kurzen Rufen. Und tatsächlich: Er gewinnt die Aufmerksamkeit seiner Zuhörer, ja, ihm gelingt ein fast lehrbuchmäßiger Einstieg.

Weiterlesen: Lektion 3: Der Einstieg

Jun
20

Empfehlenswert ist sie nicht, die Provokation. Wer vor sein Publikum tritt und sagt. „Ich habe überhaupt keine Lust vor Ihnen zu reden! Wie Sie schon aussehen! Grauenvoll!!!“ – wird Abstriche bei den Sympathiewerten machen müssen. Das wiederum erschwert die Überzeugungsarbeit. Wählen Sie daher das Stilmittel der Provokation nur im äußersten Notfall, wie dieser Herr:

Neben dem Gespür, wann es angebracht ist, dass einem „der Hals anschwillt“ bzw. „der Kragen platzt“, sollte man bei der Provokation in jedem Fall über ein Mikrofon verfügen.

Weiterlesen: Lektion 2: Die Provokation