Jun
14

Warum wir die Metapher verwenden? Weil es ein Gefühlswort ist. Weil eine gute Rede Emotion braucht. Wenn zum Beispiel Finanzmarktstabilisierungsgesetze, Aufenthaltsverordnungen oder Netzausbaubeschleunigungsgesetze zur Debatte stehen – dann wirkt ein Bild Wunder. Die Rede wird anschaulicher, der Zuhörer kann sich etwas vorstellen. Auch wenn es mal ein bisserl martialisch klingt…

Die Bilder entstehen im Kopf. Wir sehen es förmlich vor uns, wie der aufrechte Bajuware sich mit seiner letzen Patrone im Gürtel, hinter den saftig blühenden Geranien auf dem Holz-Balkon seines Gutshofs verschanzt. Das Gewehr im Anschlag, sein Landsitz derweil umstellt von Berliner Koalitionären und Bataillonen von Zuwanderern. Und wie er, der Bayer mit entschlossenem Blick und seiner letzten, seiner wirklich allerletzen Patrone erbittert Widerstand leistet. Damit dieses Kino im Kopf angeworfen wird, damit diese Bilder laufen lernen, brauchen wir…

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Feb
02

Mit Zahlen ist das so eine Sache. Zahlen in einer Rede stehen zwar für Kompetenz bzw. für Kompetenzkompetenz. Das Problem: Niemand hört gerne Zahlen. Außer vielleicht Menschen, die mit Excel-Dateien ins Bett gehen. Alle anderen tun sich schwer mit der Zahlenhuberei. Deshalb werden Zahlen oft und gerne bildlich aufgelöst, wie in diesem unvergessenen Klassiker:

Eine schöne Idee. Auf jeden Fall schöner als kalt verlesene Zahlenkolonnen. Schöner als die Zahlenmassaker einer deutschen Hauptversammlungsrede. Was Zahlen für Redner so attraktiv macht: sie klingen sachlich, klar, unumstößlich. Mit Zahlen lässt sich immer perfekt argumentieren. Wenn die Zahlen gut sind. Wenn es nicht so gut ausschaut, dann

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Dez
10

Schlimm ist, wenn gar nichts hängen bleibt. Sie reden und reden, mühen sich ab, mit Statistiken, mit Fakten, mit Querverweisen – doch kaum ausgesprochen, ist alles wieder vergessen. Das über Wochen ausgetüftelte Rede-Konzept verfängt nicht in den Ohren, das Publikum schaut trübe auf die Blumedeko. Was Sie brauchen, ist etwas Knackiges, etwas Zitierfähiges. So wie dieser Herr:

Wumms! Und mit einem Schlag ist Ihre trübe Rede in aller Munde. Da halten die Kameras drauf, ihr Spruch wird millionenfach im Internet geklickt, im Fernsehen gezeigt, in jeder Zeitung veröffentlicht (Chronistenpflicht!!). Kein Wunder, dass vor allem in der Politik permanent nach knackigen, medientauglichen Zitaten gefahndet wird. Bemühen Sie sich daher,

» Weiterlesen: “Lektion 7: Das Zitat”

Okt
12

Es gibt welche, die nehmen einfach ein Manuskript. Stellen sich hinter ein Pult und lesen Wort für Wort ab. Andere haben ein Microport an die Backen geklebt und gucken auf den Teleprompter. Wieder andere lassen sich den Text per Beamer an die gegenüberliegende Wand werfen. Brenzlig wird’s, wenn’s nicht richtig funktioniert:

Keiner will eine Rede auswendig lernen. Außer Schauspielern, die bei Preisverleihungen wie „Beste männliche Kurzhaarfrisur Non-Fiction“ völlig „überrascht“, „überwältigt“ und mit feuchten Augen eine tagelang vorbereitete Rede in den Saal ventilieren: „…meinen Eltern, dem ganzen Team…“. Generell sollte man das Ganze allerdings nicht ohne Manuskript angehen,

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Sep
29

Das gehört dazu, und da zeigt sich der Könner. Mitten in der Kälte stehen und aus dem Publikum dröhnen die Zwischenrufe. Monatelang kann man sich auf die Rede vorbereiten, das Manuskript zigfach von Beratern, Referenten, PR-Leuten, Juristen überarbeiten lassen, aber wenn Sie auf der Bühne stehen und unten brüllt einer irgendeinen Schmarrn bzw. versetzt Ihnen einen ordentlichen, verbalen Tiefschlag – dann kommt’s drauf an. Wie bei diesem Herrn:

Klar, entweder Sie sind ein Naturtalent in Schlagfertigkeit oder sie bereiten sich auf das Rumgebrülle vor: Argumente zurechtbasteln, Gegenschläge auswendig lernen. Oder sie halten, im Falle eines bösen Zwischenrufs einfach für ein paar Sekunden den Mund und fragen dann: „Darf ich weiter machen?“ Oder

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